Farbrezeptierung
Farbmetrische Rezeptberechnung per Computer
Neben der in den vorhergehenden Kapiteln behandelten farbmetrischen Qualitätskontrolle ist die farbmetrische Rezeptberechnung per Computer (FRB) der wirtschaftlich bedeutendste Teil der industriellen Farbmetrik und aus modernen Betrieben nicht mehr wegzudenken. Vor 30 Jahren, als die FRB noch in Kinderschuhen steckte und wegen der damals noch sehr teuren EDV selbst für mittlere Betriebe einen zu teuren Luxus darstellte, war auf die folgenden Vorteile der FRB hingewiesen worden:
L. Gall, defazet, 7 (1970), L. Gall farbe+lack,77,(1971)
- Nach einer Anlaufzeit können bei gleicher personeller Besetzung des Farblabors mit der FRB wesentlich mehr Erstrezepte erstellt werden als bei konventioneller Arbeitsweise.
- Das Nachnuancieren im Betrieb geht schneller. Die Produktionsanlagen werden besser ausgenutzt, weil die Standzeiten verkürzt werden.
- Die Qualität der Farbnachstellungen wird besser, Metamerie kann vermieden oder minimiert werden, Reklamationen werden seltener.
- Das Pigmentsortiment kann auf 20-30 Individuen beschränkt werden: geringere Lagerhaltungskosten, weniger Qualitätskontrollen.
- Durch Berücksichtigung des Deckvermögens der Pigmente, das mit den farbmetrischen Einrichtungen nebenher ermittelt werden kann, ergeben sich Pigmenteinsparungen.
- Durch die notwendigen farbmetrischen Qualitätskontrollen der Rohstoffe und Halbfabrikate - weil anders die FRB zu unsicher wird - kommt es zu einem beschleunigten Produktionsablauf.
- Zufriedenere Kunden durch konstante Qualität.
Seit kurzem verfügbar:
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Im Eigenverlag des Autors K. Unterforsthuber Eine ausführliche Darstellung der mathematischen Grundlagen der Farbrezeptierprogramme. eMail-Kontakt: |
Zusammenfassung
"Für die Berechnung von Farbrezepten ist der Zusammenhang zwischen den optischen Eigenschaften (Absorption und Streuung) einer Farbmittelschicht und den Reflexions- bzw. Transmissionswerten von großer Bedeutung. Neben den klassischen Ansätzen - z. B. Zweikanaltheorie (Kubelka-Munk) und Vierkanaltheorie - werden in diesem Buch auch Gleichungen zur Berechnung von Mehrschichtensystemen angegeben, mit deren Hilfe auch inhomogene Farbschichten, z.B. durch additive Farbmischung, beschrieben werden können. Ob ein gegebenes, aus mehreren Farbmitteln bestehendes, Mischsystem für die Farbrezeptberechnung geeignet ist, kann mit empirischen Verfahren entschieden werden.
Um eine möglichst große Praxisnähe zu erreichen, wird die Berechnung von Farbrezepten für Farbmittelmengen durchgeführt. Damit kann man laborseitig notwendige Mengenbegrenzungen leichter angeben. Bei der Berechnung von Farbrezepten wird ein möglichst kleiner Farbabstand zwischen der Farbmittelmischung (Nachstellung) und der Farbvorlage angestrebt. Es können dabei verschiedene Lichtarten, Messungen für verschiedene Messwinkel und/oder Messungen über verschiedenen Untergründen berücksichtigt werden. Durch kombinatorische Verfahrenkönnen die besten Rezepte mit einer limitierten Anzahl von Farbmittelnberechnet und nach verschiedenen Kritrien (Metamerie, Preis u.ä.m.) sortiertwerden.
Außer der Farbrezeptberechnung werden die Farbrezeptkorrekturberechnung, die Berechnung von Mischungen aus Produktionspartien und die Berechnung von Farbräumen für gegebene Farbmittelsortimente behandelt. Nützliche Hinweise für verschiedene Anwendungsbeispiele (Lackfarben, Kunststoffeinfarbungen, Druckfarben, Textileinfärbungen, Beizen, Effektpigmente u.ä.m.) werden angeführt."
Berufsbild des Farbmetrik-Koloristen
Inzwischen hat sich geradezu eine neue Industrie für Farbmessanlagen und Farbrezeptier-Software herausgebildet und dazu das neue Berufsbild des Farbmetrik-Koloristen, in dem sich fundiertes farbmetrisches Wissen, EDV-Kenntnisse und koloristisches Know how verbindet, d.h. die detaillierte Kenntnis der koloristischen Eigenschaften eines breiten Farbmittel bzw. Pigmentsortimentes, die Kenntnis des Deckvermögens, der Echtheiten, der Preise von günstigen Kombinationen, gewisser Kniffe
beim Nuancieren usw.
Und nicht zu vergessen: Noch immer ist ein gutes Auge gefragt!
Das Grundprinzip der FRB
lässt sich in einem Diagramm mit dem "KKK-Dreieck" beschreiben:
Gegeben sind jeweils zwei bekannte K aus denen sich das dritte unbekannte K errechnen lässt, so z.B. die optischen Daten aus den Eichreihen.
K Konzentrationen
Eichaufstriche (Eichlackierungen etc.) mit bekannten Konzentrationen der enthaltenen Komponenten
K Kurven
R-Werte = Kurven dieser Eichaufstriche
K Konstanten
"optische Daten" = Konstanten oder Koeffizienten Aλ und Sλ der Kubelka-Munk-Theorie
3-K-Prinzip
Das 3-K-Prinzip der analytischen Farbmetrik
Aus den optischen Konstanten K ergeben sich z.B. die (R-)Kurven K bei gegeben Konzentrationen K der Farbmittel (und umgekehrt!)
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