Rezept-Korrektur
Genauigkeit von Erstrezepten
- Die vom Computer ausgegebenen Erstrezepte können bestenfalls die Genauigkeit besitzen, mit der die Eichfärbungen hergestellt und die optischen Daten ermittelt wurden.
- Hinzu kommt, dass die Eichfärbungen oft unter anderen Bedingungen, z. B. mit einer anderen PVK, hergestellt wurden als der Betriebsansatz und dass somit die optischen Eigenschaften anders wirksam werden. Deshalb muss mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden, dass ein auf Basis des berechneten Rezeptes angefertigter Probeansatz korrigiert werden muss.
- Ein weiterer zufälliger Fehler, der Rezeptkorrekturen notwendig macht, liegt in fehlerhaften Remissionsmessungen.
- Ferner ist zu beachten, dass zwischen den Messungen der Eichfärbungen und der Messung einer Vorlage unter Umständen Monate und Jahre vergangen sind, in denen das Spektralphotometer sich verändert haben kann. Es "sieht" sozusagen "mit anderen Augen" als früher. Besonders anfällig gegen diese Art Fehler sind dunkle und gesättigte Nachstellungen. Hinzu kommen systematische Fehler der FRB an sich.
- Die hier beschriebene FRB beruht auf der Annahme, dass die Kubelka-Munk-Theorie den Zusammenhang zwischen Farbmittelkonzentration und spektralem Remissionsgrad richtig beschreibt und dass sich außerdem die Absorptions- und Streukoeffizienten einer Pigmentmischung additiv überlagern. Dies ist mit Sicherheit nur bedingt der Fall. Trotz dieser Einschränkungen funktioniert die FRB immerhin so gut, dass auch "Volltreffer" resultieren, d. h. Erstrezepte, die nicht korrigiert zu werden brauchen. Vielleicht liegt dies an einer glücklichen Fehlerkompensation. Andererseits können sich aber auch die verschiedenen Fehlerursachen zu so großen Differenzen addieren, dass mehrere Korrekturschritte notwendig werden.
Falls das Programm iterativ arbeitet wie das oben beschriebene , ist die anstehende Aufgabe mit dem gleichen Verfahren zu lösen, das weiter oben ansatzweise beschrieben wurde.
Bei der Berechnung eines Erstrezeptes geht es gemäß 3-K-Prinzip formal darum, bei der unten stehenden Gleichung die unbekannten ci zu berechnen.
wobei K die Matrix der oben dargestellten Gleichung bedeutet.
Welche Konzentrationen führen zu den
gewünschten Farbwerten der Vorlage?
Bei der Korrektur ist diese Gleichung zu lösen
(formal) Welche Konzentrationsänderungen beseitigen die Farbwertdifferenzen?
In Worten: Mit welchen Konzentrationsänderungen würde der Farbunterschied zwischen Vorlage und Nachstellung erreicht? Genau diese Änderungen sind nun negativ zu vollziehen.
Zur Korrektur bestehender Differenzen ∆X, ∆Y, ∆Z (D65/10°) kann man auch die
folgende Korrekturmatrix verwenden.
Korrektur nach dem Korrektur-Matrixverfahren
Wenn mehr als 3 Farbmittel im Rezept sind, ist die Matrix um weitere Zeilen und Spalten zu erweitern, wobei als farbmetrische Zielgrößen bzw. Differenzen verwendet werden können. Man muss sich jedoch bei vier Konzentrationen für eine, bei fünf Konzentrationen für zwei dieser Größen (X oder Y oder Z für eine weitere Normlichtart) entscheiden, was letztlich nicht befriedigen kann, weil die Korrektur nicht eindeutig berechenbar ist.
Deshalb sind iterative Korrekturmethoden zu bevorzugen, wo man eindeutige Forderungen, wie ∆E (D65) = 0 und Metamerie-Index = Minimum stellen kann.
Korrektur von bestehenden Ansätzen
Ein besonderes Problem gilt es zu lösen, wenn z.B. eine bestimmte Menge eines vorhanden Lackansatzes durch Zugaben korrigiert werden soll. Am besten wird das Problem an einem Beispiel klar:
Gesetzt den Fall, das Erstrezept enthielt 0,2% Schwarz, nach der Korrektur soll es aber nur 0,02% Schwarz enthalten.
Der vorhandene Ansatz müßte nun um den Faktor 10 vergrößert werden, um diese
Absenkung der Schwarzkonzentration zu erreichen. Hier kann nun wieder die Fähigkeit des Programmes helfen, gemäß dem 3-K-Prinzip (oben rechts) aus gegebenen Konzentrationen und gegebenen optischen Daten R-Werte zu berechnen.
Es lässt sich also abschätzen, welches ∆E resultiert, wenn zum vorhandenen Ansatz
nur 50% statt 900% zugesetzt werden.
In den auf dem Markt befindlichen Programmen kann der Zusatz für ein
tolerierbares ∆E berechnet werden oder man kann sogar den Zusatz etwa durch Betätigung eines Schiebers (mit der Maus) variieren, wobei man die Auswirkung auf das DE zahlenmäßig und/oder grafisch sehen kann. So kann ein Kompromiss zwischen Farbabweichung und Korrekturzusatz gefunden werden.